Medizindrache Alexander Jahn
Chinesische & Japanische Medizin, NAET, Osteobalance

Individuelle Varianten für Ihre Bedürfnisse

Das Grund-Congee ist geschmacksneutral und lässt sich je nach Beschwerdebild beliebig verfeinern:

1. Für mehr Substanz, Säfte & Nervenkraft (Süß / Nährend)
Zutaten
: 1 TL schwarzes Tahin (schwarzes Sesammus) oder gemahlener schwarzer Sesam, 2–3 chinesische Datteln (Da Zao), gedünsteter Apfel oder Birne, eine Prise Zimt oder Kardamom.
Wirkung: Befeuchtet trockene Schleimhäute, stärkt die Nieren-Essenz, beruhigt den Geist und schenkt wohlige Wärme.

2. Für geschwächte Kraft & Blutarmut (Herzhaft / Kraftvoll)
Zutaten
: Congee statt mit Wasser mit echter Rinder- oder Hühnerknochenbrühe kochen. Dazu etwas gedämpften Fenchel, Karotten oder Kürbis geben.
Wirkung: Baut tiefes Blut und Lebenskraft nach langen Infekten oder Erschöpfungsphasen auf.

3. Bei Blähungen & Kältegefühl im Bauch (Wärmend)
Zutaten
: 2–3 Scheiben frischen Ingwer mitkochen, mit einer Prise Koriandersamen, Fenchelsamen und etwas Ghee oder Leinöl verfeinern.
Wirkung: Regt die Verdauungsbewegung an, vertreibt Kälte und löst Verkrampfungen im Darm.

Noch komplexeres "Tuning"
Die chinesische Tradition hat das Tuning beim Zhōu (粥) über Jahrhunderte extrem detailliert ausgearbeitet. Die chinesische Diätetik differenziert vor allem über Getreideauswahl, Kochmedien, therapeutische Zutaten und Spezialanwendungen in der Medizin.

Man kann das chinesische Congee-System wunderbar in vier Dimensionen der Differenzierung gliedern:

1. Getreide-Typisierung nach energetischer Thermik & Zielorgan
Reis ist nur eine Basis. Je nach Syndrommuster kann man gezielt das passende Getreide auswählen:

  • Rundkornreis / Klebreis: Sehr erwärmend, tonisiert gezielt das Milz-Qi und stützt das Nieren-Qi, bindet Säfte bei Durchfall oder spontanem Schwitzen.
  • Langkornreis: Neutral, ideal zur reinen Harmonisierung von Magen und Milz.
  • Hirse: Leicht kühlend. Ein wunderbarer Allrounder: Als kompaktes Getreide leitet sie hervorragend Feuchtigkeit (Shi) aus. Als lange gekochtes Zhou klärt sie Magen-Hitze, leitet Energie nach unten und nährt das Magen-Yin (ideal bei Unruhe, Sodbrennen oder Schlaflosigkeit).
  • Gerste / Hiobsträne: Gezielt zur Transformation von Feuchtigkeit und zur Entlastung des Bauches.
  • Schwarzer Reis: Tonisiert gezielt Blut und stärkt die „tiefen Körperreserven“ (Jing).


2. Tuning über das Kochmedium
Statt nur mit Wasser zu kochen, wird das Kochmedium exakt auf die pathologische Dynamik abgestimmt:

  • Kräuter-Dekokt als Basis (Yao Zhou): Kräuter werden zuerst abgekocht, der Sud abgeseiht und der Reis direkt darin weichgekocht. So zieht die Heilkraft sanft und ohne Magenbelastung tief ins System.
  • Reiswasser / Reisschleim (Mi You): Die oberste, sämige Schicht, die sich beim langen Kochen absetzt. Sie gilt als "flüssige Lebens-Essenz“ (chinesisch: Jing)“ und wird extrem geschätzt, um bei schwerer Substanzschwäche oder nach starkem Erbrechen/Durchfall sofort Yin und Säfte aufzubauen, ohne das Milz-Qi mit Verdauungsarbeit zu belasten.
  • Brühen-Basis: Knochen- oder Ingwer-Abkochung für Kälte-Syndrome (Yang-Xu).


3. Klassische Rezeptur-Synergien (Diätetische Klassiker)
In historischen Werken (wie dem Yinshi Zhengyao aus der Yuan-Dynastie) finden sich differenzierte Standard-Rezepte:

  • Shan Yao Zhou mit Shan Yao (Yams) und Reis: Stärkt Milz und Lunge, „bewahrt die tiefen Körperreserven“ (Jing), baut Körperflüssigkeiten auf.
  • Gou Qi Zhu She Rou Zhou mit Goji-Beeren, Schweinefleisch und Reis: Nährt Leber-Blut und Nieren-Yin, stärkt die Augen.
  • Bai He Lian Zi Zhou mit Bai He (Lilienzwiebel) und  Lian Zi (Lotussamen): Klärt Herz-Hitze, beruhigt Geist, fördert den Schlaf.
  • Gan Jiang Cong Bai Zhou mit getrocknetem Ingwer und Lauchzwiebelweiß: Treibt Kälte aus dem Tai Yang / Yang Ming bei Beginn von Wind-Kälte.


Hier sind vier klassische, hochwirksame Zhōu-Rezepturen, die präzise auf spezifische TCM-Muster abgestimmt sind. Sie eignen sich hervorragend als therapeutische Alltagsbegleiter, um medikamentöse oder akupunkturgestützte Behandlungen sanft über die Diätetik zu unterstützen.


A. Milz-Qi-Mangel mit Feuchtigkeit 
Wenn die Transformations- und Transportfunktion der Milz geschwächt ist und sich Feuchtigkeit in der Mitte ansammelt (Müdigkeit nach dem Essen, breiiger Stuhl, Schweregefühl, dicker Zungenbelag).

  • Therapeutisches Ziel: Milz-Qi tonisieren, Feuchtigkeit umwandeln und ausleiten.
  • Thermik: Neutral bis leicht erwärmend.

Zutaten: 60 g Rundkornreis, 20 g Yi Yi Ren (Hiobstränensamen), 20 g Shan Yao (Chinesische Yams-Wurzel), 15 g Fu Ling (Poria-Pilz), 1–2 Scheiben frischer Ingwer.

Zubereitung: Yi Yi Ren und Fu Ling vorab 2–3 Stunden einweichen. Alle Zutaten mit der 8- bis 10-fachen Menge Wasser aufkochen und 1,5 bis 2 Stunden sanft köcheln lassen.


B. Nieren-Yin- & Leber-Blut-Mangel
Bei Mangel an Substanz, Säften und Blut (Trockenheit, Nachtschweiß, Unruhe, trockene Augen, verschwommenes Sehen, brüchiges Haar oder Innere Unruhe am Abend).

  • Therapeutisches Ziel: Yin nähren, Blut aufbauen, Substanz bewahren.
  • Thermik: Neutral bis leicht kühlend.

Zutaten: 50 g Schwarzer Reis (Hei Mi), 15 g Goji-Beeren (Gou Qi Zi), 15 g Longan-Früchte (Long Yan Rou), 10 g Schwarzer Sesam, 6 Stück Da Zao (Rote chinesische Datteln).

Zubereitung: Schwarzreis über Nacht einweichen. Mit Datteln und Sesam in reichlich Wasser ca. 2 Stunden kochen. Goji-Beeren und Longan-Früchte erst die letzten 20 Minuten mitkochen.


C. Magen-Yin-Schwäche mit Magen-Hitze
Bei Hitze- und Trockenheitssymptomen im Magen (Sodbrennen, ständiger Hunger bei gleichzeitigem Völlegefühl, trockener Mund/Kehle, roter Zungenkörper ohne Belag).

  • Therapeutisches Ziel: Magen-Yin aufbauen, Magen-Hitze klären, Säfte erzeugen.
  • Thermik: Kühlend.

Zutaten: 60 g Hirse, 15 g Bai He (Lilienzwiebel), 15 g Mai Men Dong (Ophiopogon-Wurzel), 1 kleine frische Birne (gewürfelt).
Zubereitung: Mai Men Dong und Bai He 30 Minuten abkochen und den Sud abseihen. Die Hirse im Kräutersud mit etwas Wasser 45–60 Minuten köcheln lassen. Die Birnenwürfel in den letzten 15 Minuten dazugeben.


D. Yang-Mangel im Mittleren & Unteren Körper
Bei Kältegefühl im Bauch, Neigung zu wässrigen Durchfällen bei Kälteeinwirkung, kalten Extremitäten, Appetitlosigkeit und Völlegefühl nach kalten Speisen.

  • Therapeutisches Ziel: Das innere Feuer (Ming Men) anfachen, das Milz-Yang wärmen, Kälte vertreiben.
  • Thermik: Ausgeprägt erwärmend bis heiß.

Zutaten: 60 g Klebreis, 3–5 g Gan Jiang (getrockneter Ingwer), 10 g Zimtrinde (Rou Gui, grob gebrochen), 15 g Rou Cong Rong (Cistanche, optional).

Zubereitung: Ingwer und Rou Cong Rong in 1 Liter Wasser 30 Minuten abkochen. Kräuter abseihen, Klebreis im Sud 1,5 Stunden kochen.
Zimtrinde erst 10 Minuten vor Ende der Kochzeit dazugeben.


Diätetischer Anwendungshinweis
Praxis-Tipp: Alle diese Rezepturen entfalten ihre beste Wirkung, wenn sie morgens als warme erste Mahlzeit auf leeren Magen eingenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt ist das Magen-Qi am aufnahmebereitesten, um die therapeutischen Impulse direkt aufzunehmen und im System zu verteilen.

Und auf der nächsten Seite gibt es auch etwas zum Feiern!


 
E-Mail
Anruf