Vergleich Ayurveda und TCM
Mein Anliegen ist es hier, Dinge, die sich in anderen Medizinsystemen gut bewährt haben, unter dem TCM-Aspekt neu zu betrachten und sie gegebenenfalls für sich zu benützen.
Damit will ich die TCM entmystifizieren und sie aus der "Exotik-Ecke" mitten in den europäischen Alltag holen. Eine deutsche Hühnersuppe oder ein Glühwein funktionieren nach den gleichen thermischen und energetischen Gesetzen.
Heute aber sind es 2 Dinge aus der Ayurveda: Kitchari und CCF-Tee.
Obwohl beide Medizin-Systeme das Ziel der Harmonie verfolgen, unterscheiden sie sich fundamental in ihrer „Architektur“ und darin, wie sie Stoffwechselprozesse und Pathogene definieren.
Kennt man allerdings die Unterschiedlichen Betrachtungsweisen, kann man die Erfahrungen der einzelnen Medizinsysteme sehr nutzbringend für sich einsetzen.
Deshalb ist hier ein Vergleich der beiden Systeme, festgemacht an zwei Beispielen:
1. Die Konzepte im Vergleich
Merkmal | Ayurveda (am Beispiel Kitchari/CCF-Tee) | TCM (am Beispiel Mitte & Feuchtigkeit) |
Zentrale Instanz | Agni (Das Verdauungsfeuer). Alles dreht sich darum, das Feuer zu nähren, ohne es zu ersticken. | Milz-Qi. Fokus liegt auf Transformation und Transport von Essenzen. |
Pathogen-Fokus | Ama (Stoffwechselrückstände). Klebrig, schwer, entsteht durch schwaches Agni. | Shi (Feuchtigkeit/Nässe) und Tan (Schleim). Entsteht durch eine schwache Milz. |
Thermo-dynamik | Arbeitet stark mit den Gunas (Qualitäten) wie schwer/leicht, trocken/ölig, heiß/kalt. | Arbeitet mit der Thermik (kalt bis heiß) und der Richtung (Aufsteigen, Absinken, Zentrieren). |
Reinigung | Shamana (Linderung) vs. Shodhana (Reinigung/Panchakarma) | Ableiten/Sedieren vs. Tonisieren/Stärken |
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2. Kitchari: "Agni-Anfachen" vs. "Mitte-Qi-Tonisierung"
Beim Kitchari wird der Unterschied in der Feinabstimmung deutlich:
- Ayurveda: Kitchari gilt als Tridosha-ausgleichend. Das Ziel ist es, das Agni so weit zu entlasten, dass der Körper beginnt, Ama (Schlacken) zu verbrennen. Die Mungbohne wird hier gewählt, weil sie die einzige Hülsenfrucht ist, die das Agni nicht stört (nicht bläht).
- TCM: Wir sehen hier primär den Milz-Qi-Aufbau. Die geschälte Mungbohne leitet Hitze aus und wirkt leicht harntreibend (Feuchtigkeit ausleitend). Ghee ist in der TCM ein Yin- und Blut-Tonikum.
- So sagt Ayurveda sagt: „Ghee schürt das Feuer“;
- TCM hingegen: „Ghee nährt die Wurzel und befeuchtet die Schleimhäute (Magen-Yin)“.
Der entscheidende Unterschied:
Ayurveda nutzt Kitchari oft als Mono-Diät zur Entgiftung.
Die TCM hätte bei einer reinen Reis-Bohnen-Diät über längere Zeit Sorge, dass es zwar Feuchtigkeit ausleitet, aber Blut zu wenig nährt, wenn nicht genügend rotes Fleisch oder tief wärmende Kräuter hinzukommen.
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3. CCF-Tee: "Agni-Anregung" vs. "Qi-Regulation"
Der CCF-Tee (Cumin, Coriander, Fennel) illustriert die unterschiedliche Sicht auf Gewürze:
Ayurveda: Diese drei Samen kühlen das System leicht (vor allem Koriander), regen aber das Agni an. Es ist ein sanfter Reiniger für die Srotas (Kanäle).
TCM: Wir betrachten dies als eine Rezeptur zur Regulation der Mitte.
o Ingwer ist in der TCM ein Mitte-wärmendes Kraut, das Schleim-Kälte transformiert. (Ayurveda: Erhöht Agni (Verdauungsfeuer) massiv)
o Fenchel wärmt & hilft bei Kälte-Stagnation im Bauch . (Ayurveda: harmonisiert Agni, lindert Blähungen und Krämpfe)
o Kreuzkümmel bewegt das Qi. (Ayurveda: verbessert Nährstoffaufnahme und reinigt Körper von Ama.)
o Koriander reguliert Qi, klärt sanft Hitze-Toxine. (Ayurveda: kühlt Pitta, ohne Agni zu löschen.)
In der TCM würden wir diesen Tee gezielt einsetzen, wenn eine Leber-Magen-Disharmonie („Holz greift Erde an“) vorliegt (Qi-Stagnation führt zu Blähungen).
Ayurveda nutzt ihn eher als universelles tägliches "Spülmittel" für den Stoffwechsel.
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4. Philosophische Differenz in der Herangehensweise
- Ayurveda ist oft reduktiv: Man nimmt Last vom System (Fasten, Mono-Diät, CCF-Tee), damit das körpereigene Feuer (Agni) wieder aufräumen kann.
- TCM ist meist transformativ: Man gibt dem System die nötigen Impulse (Akupunktur) und Baustoffe (Kräuterdekokte), damit die Milz ihre Funktion der Umwandlung wieder aufnehmen kann.
Wie sieht das nun bei Erschöpfung der Unterschied aus?
- Ayurveda: Agni stärken & Leichte Nahrung (Kitchari)
- TCM: Milz-Qi & Ursprungs-Qi stützen
Wie wir oben gesehen haben, leistet Kitchari in beiden Medizin-Systemen genau das, was wir jeweilig erwarten.
Der Vergleich: TCM-Manipulation und Ayurvedische Vorbereitung
Hier treffen sich meine TCM-Arbeitsweise und die ayurvedische Logik des Kitchari oder CCF-Wassers auf einer tiefen Ebene:
Maßnahme | Energetisches Ziel | Analogie zur AAT / TuiNa |
Kitchari (Essen) | Baut die Säfte (Yin/Blut) und das Milz-Qi stofflich auf. | Entspricht dem Nähren des Punktes vor der Nadelung mit AAT oder sanftem TuiNa. |
CCF-Tee (Trinken) | Wärmt Agni, ohne Yin zu verbrennen; öffnet die Kanäle. | Entspricht der AAT oder kräftigerer TuiNa, um Qi zu wecken und Blockaden sanft zu lösen. |
Akupunktur | Lenkt, senkt, hebt oder zerstreut das vorhandene Qi. | Die eigentliche „Arbeit“, die erst Sinn ergibt, wenn das Feld bestellt ist. Ohne ausreichend Qi gibt es nichts, was zu leiten ist. |
Manchmal braucht das System einen kleinen Impuls von außen, um die wertvollen Nährstoffe überhaupt aufnehmen zu können. In meiner Praxis kombiniere ich solche Ernährungsempfehlungen oft mit der Aroma-Akupoint-Therapie (AAT) und oder Akupunktur, um die Energiebahnen gezielt zu öffnen.
Wenn Sie jetzt die Rezepte von Kitchari oder CCF-Tee interessieren, klicken sie bitte auf den entsprechenden Begriff.
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